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Heilpädagogik Bonnewitz

Eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe

Die Heilpädagogik Bonnewitz ist eine Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Hier lernen und leben Menschen, werden in Schule und Wohnheim individuell gefördert und begleitet. Diese Möglichkeit gibt es noch nicht lange. Es ist nicht einmal ein Menschenleben her, da wurden in Deutschland Zehntausende Menschen auf Grund ihrer (zugeschriebenen) Behinderungen ermordet. Auch in Pirna.

Ausgrenzungen fanden bereits viele Jahre zuvor statt und nahmen nach dem 1. Weltkrieg noch einmal deutlich zu. Nach den Erfahrungen aus dem Nationalsozialismus wurde am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte unterzeichnet. Es ist das wohl bekannteste Menschenrechtsdokument, dessen zentrale Bedeutung in Artikel 1 „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ zusammengefasst ist.

Mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte wird in Artikel 26 das „Recht auf Bildung“ zum Grundrecht erklärt. Dies spricht uns als heilpädagogische Einrichtung aus dem Herzen. Insbesondere der folgende Satz hat mit der pädagogischen Arbeit in Bonnewitz sehr viel zu tun:

„Die Bildung muss auf die volle Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit und auf die Stärkung der Achtung vor den Menschenrechten und Grundfreiheiten gerichtet sein.“

Der Mensch neben uns ist in erster Linie ein Mensch! Wir wollen Arbeits-, Lern- und Lebensorte bieten, an denen Empathie, Mitmenschlichkeit und Solidarität die wichtigsten Werte darstellen. Dies bedeutet auch, dass wir uns selbst und die eigene Arbeit reflektieren. Dazu zählen die Prüfung eigener Denkmuster und das Hinterfragen eigener Vorurteile.

Noch heute hören wir leider, teils in der ähnlichen Argumentation wie damals, die Forderung nach Ausgrenzung von Menschen mit Behinderungen. Die Ausbreitung der Ideologie der Ungleichwertigkeit muss deshalb zurückgedrängt und verhindert werden. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte war dafür ein wichtiger Baustein.

Deshalb: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.

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Matthias Piel

Menschenrechte in der DDR

Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte war uns als Ideal des Zusammenlebens schon in der DDR sehr wichtig. Wir machten sie über die Friedensgruppe mit Ormig-Kopien interessierten Menschen zugänglich. So war es auch kein Zufall, dass wir 1989 zum 41. Jahrestag der Erklärung in Pirna die zweite Großdemonstration im Rahmen der friedlichen Revolution organisierten.

Der Artikel 13 war mir vor 1989 besonders wichtig, weil ich des Öfteren von den „staatlichen Organen“ daran gehindert wurde, mich im Land frei zu bewegen. Noch viel unangenehmer waren die Reisebeschränkungen in die „sozialistischen Bruderstaaten“ oder die ungeschriebene staatliche Drohung der Abschiebung in den Westen ohne Rückkehrmöglichkeit.

Heute ist der 13er für mich selbstverständliche Realität. Leider trifft das noch lange nicht für alle Menschen zu. Auch in unserem Land werden Menschen mit der Präsenzpflicht daran gehindert, sich frei zu bewegen.

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Antifaschistischer Laienchor Pir-Moll

Für die Freiheit, für das Leben!“ – heißt für uns, antifaschistisch zu sein.

Mitunter teilen Bekannte anlässlich von Demonstrationen gegen Rassismus, aber auch bei Demonstrationen gegen Nazis und Rechte oder deren Veranstaltungen, uns mit, dass sie lieber nicht teilnehmen möchten, weil es immer nur „gegen“ etwas geht, weil sie lieber bei einer Demo mitlaufen wollen, die „für“ etwas ist. – Aber der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus, gegen jede Art von Ungleichheitsideologie, gegen rechte Ideologien und Gruppierungen, ist notwendigerweise untrennbar mit der Verteidigung des Rechts auf Leben, Freiheit und Sicherheit eines jeden Menschen verbunden!

Wir nennen uns Antifaschistischer Laienchor Pir-Moll. Viele unserer Lieder erzählen vom Kampf für das Leben und für die gleichen Rechte aller Menschen. Wir singen auch Lieder aus der Zeit des Nationalsozialismus bzw. des Faschismus. Sie sind entstanden im Kampf gegen diese lebensfeindliche, tödliche Realität, in der Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Armut, Religion oder Behinderung das Recht auf Leben verwehrt wurde. Sie wurden entrechtet, gezählt, verraten, zwangsumgesiedelt, inhaftiert, gefoltert, hingerichtet, vernichtet.

Dies geschah in jedem Ort – auch in Pirna. Zum Beispiel liegt in der Schmiedestraße 8 die Fronfeste. Direkt nach der Wahl vom 5. März 1933 wurden Menschen hier eingesperrt und zum Teil ins KZ Hohnstein verschleppt. Einer der ersten Gefangenen der Pirnaer Fronfeste war der jüdische Zahnarzt Max Tabaschnik.

Nach einer Hausdurchsuchung am 6. März 1933 wurde er am Abend des 25.März festgenommen und inhaftiert.
Auch ein Mangel an solidarischen Menschen und an politischen Gegner*innen der Nazis hatte diese Verbrechen möglich gemacht.

Verbunden mit der Hoffnung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit damit verhindern zu können, verkündeten die Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

Doch spätestens seit den 1990er Jahren, den sogenannten #Baseballschlägerjahren, und auch heute, ist es nötig, dass wir täglich Stellung beziehen, widersprechen, eingreifen, dagegenhalten – gegen rechte Ideologien – für die Freiheit, für das Leben.

Wir als Individuen müssen das tun, aber vor allem von unserem Staat erwarten wir, dass er alle nur denkbaren Anstrengungen unternimmt, um dieses Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit aller Menschen zu schützen, auf die sich sein politischer Einfluss erstreckt, sei es auf dem Gebiet der BRD oder an den Grenzen Europas.

Weitere Informationen: www.pir-moll.de